Datei 07 · Zwölf Fenster
Der Kalender
ist die erste Karte.
Wer im August die Großglockner als Geheimtipp will, hat den falschen Monat gelesen. Unten die Monate, wie wir sie im Atelier benutzen – nicht als Stimmung, als Sperrlogik.
Jänner–März
Pässe zu, Täler voller Ski. Wir zeichnen tiefe Linien: Salzkammergut ohne See-Rummel, Weinviertel bei klarem Frost, Stadt zu Stadt. Winterreifen Pflicht, nicht Dekoration.
April
Lügt oft. Unten Grün, oben noch Schneewechte. Nockalm manchmal schon, Glockner selten. Wir halten zwei Pläne: einen hohen, einen durchs Murtal.
Mai–Juni
Das ehrlichste Fenster. Straßen öffnen, Busse noch nicht in Kolonne. Wasser in den Bächen laut. Beste Zeit für Westkamm und Südkehre.
Juli–August
Hitze im Osten, Stau an den Kassen. Wir legen Starts vor 7 Uhr und Etappen, die um 16 Uhr schon im Quartier sind. Hallstatt nur als Umwegnotiz.
September
Das zweite gute Fenster. Licht tiefer, Viehabtrieb als Termin, nicht als Folkloreprogramm. Silvretta und Timmelsjoch oft noch offen, Nächte schon kalt.
Oktober
Laub, frühe Schließungen, Föhn. Turrach nass. Wer kommt, bekommt kürzere Tage und mehr Reserve. Nach Allerheiligen planen wir kaum noch Höhe.
November
Nebel im Flachland, Glätte in den Lagen dazwischen. Gute Zeit für Ateliergespräche, schlechte für Improvisation auf der Mautstraße.
Dezember
Wir schicken niemanden „noch schnell über den Pass“. Wer fahren will: beleuchtete Städte, kurze Landstraßen, Tee in der Thermoskanne. Der Rest wartet bis Mai.

Zwei Fenster, die wir ernst nehmen
Ende Mai bis Ende Juni. Pässe öffnen, die großen Ströme sind noch nicht da, die Bäche laut. Westkamm und Südkehre liegen hier am besten. Nächte können kalt sein, Schneereste an Nordhängen normal. Wer fotografieren will, hat längeres Licht als im September, aber härteres Mittagslicht – deshalb frühe Pässe.
September bis Anfang Oktober. Das zweite Fenster. Viehabtrieb als Termin im Kalender, nicht als Programmheft. Silvretta und Timmelsjoch oft noch befahrbar, Nockalm ebenfalls, bis der erste richtige Schnee die Betreiberin zur Schranke zwingt. Nach Allerheiligen zeichnen wir Höhe nur noch mit Plan B im Tal.
Was der Kalender nicht ersetzt
Ein warmer Februar öffnet keine Hochalpenstraße. Ein nasser Juli macht die Turrach nicht zur Nockalm. Wir schicken das Wetterfenster in der Woche vor der Abfahrt; Sie entscheiden am Morgen trotzdem selbst, ob die Kehre sichtbar ist. Kettenpflicht kann lokal gelten, auch wenn Wien bei plus zwölf liegt.
Schulferien in Deutschland und den Niederlanden füllen die Kassen früher. Österreichische Ferien füllen die Seen. Beides steht in unserer Skizze, bevor die Kilometer stehen. Details zu einzelnen Straßen: Pässe.
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